„Der andere ist ein Hindernis“

„Der andere ist ein Hindernis“

08.06.2015

Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer hat es in seiner Kolumne im „Zeit Magazin“ immer wieder mit Männern und Frauen in problematischen Beziehungen zu tun, doch die Nuss, die er in „Zeit Wissen“ April/Mai 2015 zu knacken hatte, sah wirklich wie „sein schwierigster Fall“ aus, so der Untertitel. Warum ist die Beziehung zwischen Radfahrern und Autofahrern so gestört? 

Fehlende Empathie und die sogenannte Regression sind die Phänomene, die der Therapeut für die gegenseitigen Aggressionen und Schuldzuweisungen im Straßenverkehr verantwortlich macht. Es sei umständlich, sich einzufühlen, so Schmidbauer – „während es blitzschnell geht, dem anderen die Schuld zu geben.“

Ein weiterer interessanter Ansatz ist, anzunehmen, dass das Radfahren das Kind im Menschen weckt. Denn, so der Psychologe: „Radfahren ist Freiheit: weg von der Mama, die einen am Anfang noch stützt.“ Um den Gedanken weiterzuspinnen: Wie ein Kind nimmt man es nicht so genau – die Erwachsenen werden schon aufpassen. Gemeint sind damit die Autofahrer, erklärt der Therapeut. „Er ist schon erwachsen gewesen bei seiner Fahrprüfung und hat verinnerlicht, wie wichtig die Regeln sind.“ Und wenn der kindlich-unbekümmerte Radler diese Regeln bricht, macht ihn das rasend. 

Wie also lässt sich die gebeutelte Beziehung kitten? Schmidbauer empfiehlt Distanz und Humor, außerdem die Einsicht, dass man einfach miteinander auskommen muss: „Den Radfahrer kriegen Sie als Autofahrer nicht los. Es wäre auch nicht gut, denn dann gäbe es noch mehr Autos auf der Welt.“ Und umgekehrt gilt das Gleiche, wenn auch in Schmidbauers Augen nicht mehr allzu lange: „Die Autos von heute sind Dinosaurier. Wenn sie ausgestorben sind, beginnt eine neue Epoche.“

 

 
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