Traum vom millionsten Elektroauto

20.01.2015

Noch fünf Jahre bleiben der Bundesregierung zur Verwirklichung eines ambitionierten Ziels: Bis 2020 sollen sich eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen tummeln. Im Mai 2011 rückte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dieser Idee heraus, nun, knapp vier Jahre später, ist man von den angepeilten Zahlen immer noch weit entfernt. Zum 1. Januar 2014 waren deutschlandweit gerade mal 12.156 rein elektrisch fahrende Autos zugelassen; selbst wenn man für das vergangene Jahr eine Steigerung um 50 % annimmt, wären es bis heute immer noch weniger als 20.000. 

Die Probleme sind klar: zu geringe Akkuleistung, zu hohe Fahrzeugpreise und ein generelles Nachlassen des Interesses am Auto, erkennbar an insgesamt sinkenden Zulassungszahlen. Genau andersherum verhält es sich mit dem Elektrofahrrad: Hier stellt sich das Reichweitenproblem nicht mehr, Fahrräder werden immer mehr als ein Problemlöser des Verkehrs gesehen und liegen dazu voll im Lifestyle-Trend. Und das E-Bike hat sich vom Nischenprodukt zum Kassenschlager entwickelt: Wurden im Jahr 2002 gerade mal 10.000 Exemplare verkauft, waren es 2013 bereits 410.000 – also 41-mal so viele. Derzeit fahren rund 1,8 Millionen E-Bikes durch Deutschland, und Jahr für Jahr kommen Hunderttausende hinzu.

Diese Zahlen sollten auch der Automobilbranche Trost spenden: Wären die technologischen Probleme gelöst, könnte die Zahl der Elektroautos ebenso rasant wachsen wie die der E-Bikes. Doch dabei stellt sich die Frage: Wollen wir andere Autos? Oder wollen wir weniger Autos, dafür aber mehr Fahrräder und E-Bikes auf unseren Straßen? Die "Nationale Plattform Elektromobilität" beschäftigt sich freilich nicht mit solchen Fragen – Elektrofahrräder spielen in den Zukunftskonzepten der Regierung und ihrer Arbeitsgruppen keine Rolle.

 
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