Victor Ko, Gründer von Klever Mobility über die Chancen der E-Bikes in Europa

Victor Ko, Gründer von Klever Mobility über die Chancen der E-Bikes in Europa

25.04.2013

Seit 2010 beschäftigt sich Victor Ko, der Gründer der Klever Mobility mit dem E-Bike Markt. Als Vorstand des taiwanesischen Roller-Herstellers KYMCO kann er dabei auf langjährige Erfahrungen zurückgreifen. 2011 spezialisierte er sich auf Pedelecs und E-Bikes und gründete die Klever Mobility als Tochterunternehmen von KYMCO, um sich damit einen Weg auf dem europäischen E-Bike Markt zu bahnen.

Kurz nachdem der Unternehmer mit seiner Familie nach Deutschland zog, um beim Aufbau der Firma Klever Mobility Europe mitzuhelfen, sprachen wir mit ihm:

Victor, vor 2 Jahren kamen Sie zum ersten Mal nach Europa, welche Beobachtungen konnten Sie auf dem E-Bike Markt machen und wie hat sich das in Bezug auf die Entwicklung und Marketing Strategie Ihres eigenen Pedelec Geschäftes ausgewirkt?

Als ich 2011 nach Europa kam, war die Welt der E-Bikes für mich komplett neu. Mir wurde schnell klar, dass wir eine andere Strategie haben müssen und uns von den anderen Herstellern unterscheiden müssen, wenn wir auf dem Markt Fuss fassen wollen. Wir sollten uns nicht auf die Haupt-Kundengruppe der Generation 50+ konzentrieren. Wir hätten keine Chance, damit zu konkurrieren. Ich habe schnell erkannt, dass für uns die Pendler und die Autofahrer, die auf das Pedelec umsteigen, als beste Zielgruppe für uns in Frage kommen.

Klever Mobility`s Wurzeln führen zurück zu dem Mutterkonzern KYMCO, ein Roller Hersteller, auf den Sie mit langjähriger Erfahrung zurückgreifen können. Wie können Sie Ihre Erfahrungen nutzen?

Unser Firmenname Klever Mobility ist abgeleitet von dem Namen: KYMCO Light Electric Vehicles - KLEV. Das ER haben wir angehängt, damit es besser klingt, uns gefällt das Spiel mit dem wirkungsvollen Namen.

Mit meinen langjährigen Erfahrungen, die ich bei KYMCO sammeln konnte, kann ich den Markt aus einem anderen Blickwinkel heraus beobachten. Ich habe festgestellt, dass die Fahrrad- und Roller Industrie unterschiedlich arbeiten und gegenseitig voneinander lernen können. 

Dieses Frühjahr ist zum ersten Mal das Klever S25 auf den Markt gekommen. Welche Erwartungen haben Sie für das erste Jahr?

Wir müssen den Kontakt und das Vertrauen zum Händler aufbauen und stärken. Die letzten 2 Jahre haben wir für die Forschung und die Produkt Entwicklung investiert. Dieses Jahr werden wir uns auf das Marketing konzentrieren und das Vertriebsnetz ausbauen. Im nächsten Jahr werden wir mit dem Verkauf beginnen.

Klever hat ein neues Vertriebs-Konzept für Partner und Händler. Was für einen Vorteil bietet dieses Modell dem Händler?

Unsere Händler sind der Point of Service (POS). Uns ist es wichtig, dass sich unsere Händler auf den Kundenservice konzentrieren können, indem wir 100 Prozent hinter ihnen stehen. Klever Mobility nimmt Aufträge von Kunden direkt an und liefert sie an einen Service Point für die Übergabe.
Der Vorteil ist, dass der Klever POS eine Marge bekommt, ohne verpflichtet zu sein, ein Lager mit E-Bikes zu kaufen. Da wir unsere eigenen Systeme und Fahrräder herstellen, ist ein weiterer, großer Vorteil, dass der Klever POS innerhalb von 48 Stunden Ersatzteile geliefert bekommt und direkt den technischen Support vom Hersteller in Anspruch nehmen kann. Zusätzlich stellen wir Klever POS Demo Bikes und Diagnose Tools zur Verfügung.
Somit übernehmen wir die Lagerkosten und unterstützen unsere POS, damit sie als Händler agieren können und dem Kunden den bestmöglichen Service bieten können.

Welchen Vorteil hat dabei der Kunde?

Der Kunde kann beide Vorteile geniessen, zum einen den Vorteil des Online shoppings und zum anderen haben sie den direkten Kontakt zum POS in ihrer Nähe, der sich um den Kundenservice kümmert.

Wie haben die Händler bis jetzt auf dieses Geschäftsmodell reagiert?

Einige Händler sind ihm gegenüber sehr offen, andere skeptisch. 

Warum sind sie skeptisch?

Im Vergleich zu anderen Herstellern, die eine Lagerhaltung beim Händler vereinbaren, erscheint den Händlern unsere Marge zu niedrig. Wenn man jedoch die tatsächlichen Lagerkosten und alle zusätzlichen Kosten berücksichtigt, gibt die Marge von Klever Mobility dem Händler einen attraktiven Spielraum.

MIT DEM KLEVER DIAGNOSE TOOL KANN DER HÄNDLER DIE BIKE DATEN ANALISIEREN

 

 

Warum übernimmt Klever die Verantwortung für die Lagerhaltung?

Der Hersteller sollte meiner Meinung nach für die Lieferkette verantwortlich sein und auf den Markt reagieren. Wenn wir das Lager übernehmen, vermeiden wir damit zu große Lagerüberschüsse und der Klever POS genießt den Vorteil, dass er immer mit Produkten versorgt wird, die auf dem aktuellsten Stand sind.

Wir können eine Menge von den Reaktionen auf dem Markt lernen. Wir haben unsere Diagnostic Tools entwickelt, die den Zustand von jedem individuellen Klever Bike prüfen und Software Updates empfehlen. Unsere Kunden profitieren von diesen Verbesserungen.

Sie sind gerade mit Ihrer Familie nach Deutschland gekommen, um das deutsche Team in der Start-Up Phase zu unterstützen. Was wird Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung in der Anfangsphase sein?

Wir müssen uns auf das operative Geschäft konzentrieren und aus Reaktionen auf dem Markt lernen und gezielt darauf eingehen. Wir möchten unser Versprechen halten, die Klever Kunden und Partner zufrieden zu stellen.

Und für Sie persönlich?

Das Lernen der deutschen Sprache wird für mich eine besondere Herausforderung sein. Meine Familie und ich freuen uns auf die gemeinsame Herausforderung und sind optimistisch, dass wir uns in der neuen Umgebung schnell einleben werden.

Vielen Dank für das angenehme Gespräch. Viel Glück und Erfolg! Jia, Jou, Jia Jou! („Rock it“ in Mandarin)

Interview von Susanne Brüsch

 
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